Martinique

Skyline Fort-de-France
Skyline Fort-de-France (Foto: Mihai Andritoiu)

Insel der Kontraste zwischen Vulkan und Strand

Martinique ist ein französisches Überseegebiet in der Karibik. Die Insel der Kleinen Antillen zeigt zwei sehr unterschiedliche Gesichter: Im Norden erheben sich Vulkankegel, Regenwälder und Wasserläufe, im Süden liegen helle Sandstrände, Buchten und kleine Inseln. Zwischen kreolischer Kultur und französischem Alltag, Regenwald und Strand, Rumdestillerien und Yachthäfen präsentiert sich Martinique als Insel der Kontraste.

Ankerne Yachten und Katamarane vor Le Marin
Ankerne Yachten und Katamarane vor Le Marin (Foto: Tadas Jucys)
Fort-de-France: Kreuzfahrtterminal Pointe Simon
Fort-de-France: Kreuzfahrtterminal Pointe Simon (Foto: Mihai Andritoiu)

Fort-de-France und Saint-Pierre

Die meisten Besucher beginnen ihre Reise in Fort-de-France. Die Stadt am Rand einer großen Bucht ist das politische und wirtschaftliche Zentrum der Insel und ein guter Ort, um die kreolische Kultur kennenzulernen. Im historischen Zentrum stehen traditionelle Holzhäuser neben Gebäuden der Kolonialarchitektur. Zu den bekanntesten Bauwerken gehört die Schoelcher-Bibliothek, die 1889 zunächst auf der Weltausstellung in Paris gezeigt und anschließend nach Martinique gebracht wurde. Auf der Insel stehen insgesamt 102 Gebäude unter Denkmalschutz.

Ruinen von Saint-Pierre
Ruinen von Saint-Pierre (Foto: Philippe Halle)

Weiter nördlich liegt Saint-Pierre, einst Hauptstadt der Insel. Am 8. Mai 1902 zerstörte der Ausbruch der Montagne Pelée die Stadt und tötete mehr als 25.000 Menschen. Heute ist Saint-Pierre wieder aufgebaut, doch Ruinen, ein Museum und die Bucht mit den Schiffswracks erinnern an die Katastrophe. Diese Verbindung aus Landschaft, Vulkan und Geschichte macht den Ort zu einem der eindrucksvollsten Ziele der Insel.

Tropenwald und Berge mit Vulkan Pelée
Tropenwald und Berge mit Vulkan Pelée (Foto: Petr Kovalenkov)

Der Norden: Vulkan, Regenwald und schwarze Strände

Der Norden Martiniques zeigt sich rauer und wilder als der Süden. Montagne Pelée ist mit 1.397 Metern der höchste Punkt der Insel. Um den Vulkan wechseln sich Tropenwälder, Flüsse und schwarze Sandstrände ab. Auf Martinique gibt es mehr als 250 Kilometer Wanderwege, darunter Routen auf der Halbinsel La Caravelle, Wege zur Montagne Pelée und Strecken durch den tropischen Norden.

Schwarzer Strand nahe Grand Rivière
Schwarzer Strand nahe Grand Rivière (Foto: Mihai Andritoiu)

Wer tiefer in den Regenwald eintauchen will, folgt dem fünf Kilometer langen Trace des Jésuites. Der Weg quert mehrfach den Fluss Lorrain und führt durch dichten Tropenwald mit Paradiesvogelblumen, Frangipani, Baumfarnen und Bambus. Die historische Route de la Trace verbindet Fort-de-France auf 29 Kilometern mit Morne-Rouge und steigt dabei teilweise bis auf 600 Meter an. Zu den weiteren Höhepunkten des Nordens zählen Le Carbet, das Paul Gauguin zu mehreren Werken inspirierte, Grand Rivière als Fischerdorf im äußersten Norden und die Falaise-Schluchten mit Naturpools, Wasserfällen und hohen Felswänden.

Örtchen Anse d'Arlet
Örtchen Anse d'Arlet (Foto: (Foto: Damien Verrier)

Der Süden: Buchten, Salines und Le Diamant

Der Süden der Insel wirkt klassisch karibisch. Dort liegen die bekanntesten Badeorte, kleine Inseln, viele Buchten und lange Strände. Zu den berühmtesten gehören die Plages des Salines bei Sainte-Anne, die mit ihren Kokospalmen und dem hellen Sand zu den ikonischen Bildern der Insel zählen. Südlich von Fort-de-France erstrecken sich mehr als 20 Kilometer Kokospalmenstrände; auch La Caravelle mit ihrem Naturschutzgebiet und Blick auf den Atlantik gehört zu den markanten Landschaften der Insel.

Plages des Salines bei Sainte-Anne
Plages des Salines bei Sainte-Anne (Foto: Mihai Andritoiu)

Ein besonders markantes Motiv ist Le Diamant mit dem vorgelagerten Rocher du Diamant. In der Umgebung liegen mehrere stille, geschichtsträchtige Orte. Das Maison du Bagnard, das frühere Haus des Künstlers Médard Aribot, blickt direkt aufs Meer und den Felsen. Nur einen kurzen Spaziergang weiter erinnert das Anse-Caffard-Memorial, auch Cap 110 genannt, mit 15 weißen Skulpturen an ein 1830 gesunkenes Sklavenschiff. Wer einen stilleren Strand sucht, erreicht L’Anse Grosse Roche nach etwa 20 Minuten zu Fuß; dort ragt ein Felsen mit herzförmiger Öffnung ins Meer.

La Pointe du Bout, Les Trois-Ilet
La Pointe du Bout, Les Trois-Ilet (Foto: Thierry Tete)

Segeln in den Windward Islands

Martinique ist ein wichtiges Segelrevier der südlichen Karibik. Die Insel gehört zu den Windward Islands, dem südlichen Bogen der Kleinen Antillen. Le Marin im Süden gilt als eines der großen Charterzentren der Region; von dort starten viele Törns Richtung St. Lucia, St. Vincent und in die Grenadinen. Die klassische Rundreise von Martinique bis in die Grenadinen und zurück umfasst rund 250 Seemeilen und lässt sich in Tagesetappen segeln. Für Segler gilt vor allem die Zeit von Dezember bis April als besonders günstig. Dann sorgt der Nordostpassat in den Windward Islands für verlässliche Bedingungen.

Yachthafen von Le Marin
Yachthafen von Le Marin (Foto: Mihai Andritoiu)

Unter Wasser: Wracks, Schildkröten und Korallen

Martinique zählt zu den interessanten Tauchzielen der Karibik. Besonders bekannt ist die Bucht von Saint-Pierre, wo nach dem Ausbruch von 1902 mehr als ein Dutzend Schiffe sanken. Die Wracks liegen ab etwa zehn Metern Tiefe; das Passagierschiff Roraima ruht in 40 bis 45 Metern Tiefe. Hinzu kommt der Unterwasserskulpturenpark Manman Dlo.

Die dem Karibischen Meer zugewandte Inselseite eignet sich besonders gut zum Tauchen, weil die Berge vulkanischen Ursprungs die Gewässer vor den beständigen Nordost-Passaten schützen. Korallengärten, Gorgonien, Seeschwämme und tunnelartige Riffe prägen die Unterwasserlandschaft. Beobachtet werden können unter anderem Langusten, Rochen, Tüpfel-Ritterfische, Fledermausfischschulen, Leder- und Karettschildkröten sowie Delfine. Le Diamant gilt als legendärer Spot für Geübte; Anse du Céron oder die Gewässer südlich der Bucht von Fort-de-France eignen sich auch für Einsteiger und Familien. Die beste Tauchzeit liegt zwischen Dezember und Mai, bei ganzjährig etwa 28 Grad Wassertemperatur.

Die Unterwasserwelt entdecken
Die Unterwasserwelt entdecken (Foto: Pierrick Lemaret)

Kultur: Karneval, Kreolisch und Yole

Martinique definiert sich stark über Kultur. Kreolisch ist auf der Insel allgegenwärtig, auch wenn die Sprache vor allem mündlich verwendet wird. Dazu kommen Architektur, Holzschnitzkunst, Tanz und Musik. Besonders sichtbar wird dieses Selbstverständnis während des Karnevals. Dann verwandelt sich Martinique über Wochen in ein Meer aus Paraden, Musik und Kostümen. Vaval, der Karnevalskönig, zieht durch Straßen und Städte; die „burleske Hochzeit“, rote Teufel und Schwarz-Weiß am Aschermittwoch gehören zu den prägenden Bildern dieser Tage.

Karneval in Le Diamant
Karneval in Le Diamant (Foto: Thierry Tete)

Ein weiteres kulturelles Symbol ist die Yole ronde, das traditionelle Rundboot Martiniques. Es entstand in den 1940er Jahren, kommt ohne Kiel und Ruder aus und verlangt von der Besatzung Kraft, Balance und Koordination. Seit dem 17. Dezember 2020 steht die Yole ronde im UNESCO-Register guter Praktiken zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes. Regatten wie die Tour de Martinique des Yoles Rondes, der Martinique Cata Raid oder die Schoelcher International Nautical Week zeigen, wie eng Kultur, Sport und Meer hier miteinander verbunden sind.

Maison du Bagnard, Haus des Künstlers Médard Arbot
Maison du Bagnard, Haus des Künstlers Médard Arbot (Foto: Thierry Tete)

Auch zeitgenössische Kultur spielt eine Rolle. Street-Art ist sichtbar in die Städte eingezogen. Künstler wie O’Shea prägen Fassaden in Fort-de-France, Trois-Îlets, Schoelcher oder Lamentin. Parallel dazu besitzt die Insel eine lebendige Tanz- und Festivalszene – vom Grand Ballet de Martinique bis zu Kulturveranstaltungen in Fort-de-France.

Historische Rumproduktion Saint-James
Historische Rumproduktion Saint-James (Foto: Alberto Mazza)

Rum und Küche

Martinique ist Ruminsel. Die Produzenten der Insel sind die einzigen weltweit, die für ihren Rum seit 1996 die Appellation d’Origine Contrôlée (AOC) besitzen. Der Rum agricole ist die Spezialität der Insel und macht den Großteil der Produktion aus; die jährliche Rumproduktion nähert sich zehn Millionen Litern, rund fünfzehn Destillerien stellen auf Martinique ihren eigenen Rum her. Viele dieser Häuser können besucht werden.

Rum-Tasting in der Habitation Saint-Etienne
Rum-Tasting in der Habitation Saint-Etienne (Foto: Alberto Mazza)

Kulinarisch verbinden sich auf Martinique afrikanische, europäische, indische und kreolische Einflüsse. Typisch sind Accras aus Kabeljau, Chatrou-Frikassee mit Oktopus, ti nain lan mori mit grüner Banane und gesalzenem Kabeljau sowie eine Küche, die mit Gewürzen, Kräutern, frischem Fisch und tropischen Früchten arbeitet. Märkte und Restaurants machen diese Mischung unmittelbar erfahrbar – die Küche der Insel ist fast schon ein eigener Reisegrund.

Gegrillter Lobster im Strandrestaurant
Gegrillter Lobster im Strandrestaurant (Foto: Frank Selesniew)

Übernachten zwischen Strand und Ecolodge

Das Unterkunftsangebot ist breit. Es reicht von Hotels und Strandresidenzen über Spa-Häuser bis zu naturnahen Lodges und Glamping-Angeboten. Manche Unterkünfte liegen direkt an Stränden oder Yachthäfen, andere in bewaldeten Lagen im Inselinneren und setzen stärker auf Ruhe, Wellness und Naturverbundenheit. Auch diese Mischung passt zum Charakter der Insel: Martinique lässt sich als Strandurlaub ebenso erleben wie als Ziel für Wanderer, Segler oder Genießer.

Strand mit Palmen
Strand mit Palmen (Foto: Damien Verrier)

Wetter und Reisezeit

Martinique hat tropisches Klima, die Durchschnittstemperatur liegt ganzjährig bei rund 28 Grad Celsius. Die Insel ist deshalb das ganze Jahr über ein Reiseziel für Sonnen- und Wassersporturlauber. Für Segler gilt vor allem die Zeit von Dezember bis April als besonders günstig: Dann sorgt der Nordostpassat in den Windward Islands für verlässliche Bedingungen. In der Hurrikansaison von Juni bis November wird das Wetter wechselhafter und regenreicher.

Martinique ist weit mehr als nur Strandkulisse. Die Insel verbindet kreolische Kultur, koloniale Geschichte, Vulkanlandschaften, Segelreviere, Rumtradition und karibische Küste. Gerade dieser Wechsel zwischen dem raueren Norden und dem offenen, strandreichen Süden macht ihren Reiz aus.

Links
Martinique Tourisme: www.martinique.org


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